Stammtisch am 14.04.2026

Stammtisch am 14.04.2026
Vortrag von Volker Geball: Freundschaft über 8.917 km – Die Städtepartnerschaft zwischen Naruto und Lüneburg

Volker Geball, langjähriger Vorsitzender der DJG Lüneburg, berichtete auf dem Stammtisch der DJG-SH am 14.04.2026 über die Städtepartnerschaft zwischen der japanischen Stadt Naruto (Präfektur Tokushima auf der Insel Shikoku) und Lüneburg. Diese war 1974 die erste offizielle Partnerschaft im Bereich des Japanischen Generalkonsulats Hamburg; sie ist zudem eine der ältesten Deutsch-Japanischen Städtepartnerschaften in Deutschland.

Die Ursprünge liegen jedoch mehr als 100 Jahre zurück und finden sich im japanischen Kriegsgefangenlager Bandō (1917 – 1920). Dort wurden während des 1. Weltkrieges rund 1.000 deutsche Kriegsgefangene nach der Eroberung der deutschen Kolonie Tsingtau durch Japaner und Briten untergebracht. Bandō war ein Ortsteil der Stadt Ōasa, die 1967 zur Stadt Naruto wurde. Volker Geball berichtete über die Situation im Lager, dessen Kommandant Toyohisa MATSUE eine sehr liberale Einstellung hatte: „Der Gefangene ist zwar unser Feind, hat aber eigentlich für sein Vaterland gekämpft und ist gefangen worden.“ Entsprechend gab es viele Freiheiten und eine große Selbständigkeit im Lager: Druckerei, Postamt, Backstube, Musikhalle, Orchester (1918 wurde hier das erste Mal auf asiatischem Boden Beethovens 9. Symphonie gespielt!), Tennis, Fußball, Kegeln und diverse handwerkliche Aktivitäten. Auch entwickelte sich eine reger Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung. Zudem kümmerte sich eine Familie TAKAHASHI um die Gefangenen und sorgte dafür, dass ein Gedenkstein für die gefallenen Soldaten aufgestellt wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Japan immer mehr der Gedanke einer stärkeren Verbindung zu Deutschland. Und so wurde 1973 auf Vorschlag des Japanischen Generalkonsuls in Hamburg „aus heiterem Himmel“ Lüneburg eine fernöstliche Städtefreundschaft mit Naruto angetragen. Bei der Auswahl spielten gewisse Gemeinsamkeiten der beiden Städte eine Rolle: Bevölkerungszahl; Salzgewinnung; Lüneburger Kriegsgefangene in Bandō. Trotz anfänglicher Skepsis hat sich die Stadt Lüneburg für eine solche Städtepartnerschaft entschieden, der Vertrag wurde 1974 unterschrieben.

Unser Referent berichtete weiter, dass man sich in Lüneburg intensiv Gedanken über die Belebung einer solchen Partnerschaft gemacht hat, um sie nicht nur auf Delegationsreisen der Stadtoberen zu reduzieren. So wurden in beiden Städten Partnerschaftsvereine gegründet, in Lüneburg übernahm die dortige DJG diese Rolle. Daraus entwickelten sich Delegationsreisen, die im jährlichen Wechsel stattfanden und an denen jede(r) aus der Bevölkerung teilnehmen kann. In diesem Jahr wird es das 25. Mal sein, dass eine Delegation aus Naruto nach Lüneburg kommt, im nächsten Jahr feiern die Lüneburger Silberhochzeit! Zudem gibt es seit 2013 begleitend einen Schüleraustausch. Volker Geball betonte, dass sich auf diese Weise die Partnerschaft zwischen Naruto und Lüneburg trotz der Entfernung von 8.917 km als intensivste Städtepartnerschaft Lüneburgs und sicherlich auch als eine der intensivsten deutsch-japanischen Städtepartnerschaften entwickelt hat. Dazu beigetragen hat auch die finanzielle und organisatorische Unterstützung durch die Stadt Lüneburg.

Im weiteren berichtete unser Lüneburger Gast vom Ablauf der Delegationsreisen: Zu Beginn kommt der offizielle Teil mit Begrüßung, Reden, gemeinsamen Essen und einem Tag Aufenthalt in einer Familie sowie Ausflügen in Naruto und Umgebung (ca. 3-4 Tage), danach dann eine organisierte Busreise durch verschiedene japanische Regionen (ca. 10 Tage, insgesamt ca. 14 Tage). Mittlerweile hat die deutsche Seite auf diese Weise einen großen Teil Japans besichtigt. Volker Geball hob hervor, dass das Klima auf diesen Reisen immer sehr locker sei (auch im offiziellen Teil mit Tänzen und Singen). Des weiteren erwähnte er, dass es in Naruto mittlerweile auch eine „deutsche Kultur“ gäbe, z.B. das Deutsche Haus mit einem Museum zu Bandō und der Geschichte der Städtepartnerschaft, einen Lüneburger Platz mit einer Lüneburger „Salzsau“, einen Bäcker mit deutschem Brot oder eine deutsche Bar mit dem Namen „g’suffa Prost!“ Auch der Gedenkstein für die deutschen Gefangenen wird regelmäßig besucht und die Pflege durch eine Spende der Lüneburger Delegation unterstützt.

Der eindrucksvolle Vortrag von Volker Geball wurde von fast 20 Teilnehmer*innen mit großem Interesse verfolgt und durch viele Fragen ergänzt. Zum Abschluss erhielt Volker Geball nicht nur tosenden Applaus, sondern von unserem Vorsitzenden Dr. Jens Neumann-Rodekirch auch ein kleines Gastgeschenk.